Mittwoch, 14. März 2012

LOHAS

Der SPIEGEL deckt wieder einmal auf, was natürlich noch keiner wusste: LOHAS (=Lifestyles of Health and Sustainability) ist gar nicht so gut wie wir immer dachten. Da ist von "Bionade-Biedermeier" die Rede und einer grottenschlechten Öko-Bilanz der selbsternannten Konsumenten für eine bessere Welt, die mit der Öko-Bilanz der armen Witwe gar nicht mithalten kann: wer viel Geld hat, stellt damit auch viele dumme Sachen an. Arme Menschen dagegen haben keine großen Möglichkeiten, durch Konsum ungünstige ökologische Effekte zu erzeugen.

Aber zunächst zur Sprache: LOHAS wird auch gern und seltsamerweise als Plural aufgefasst. Zitat aus dem SPIEGEL-Artikel: „Lohas kaufen nur solche Produkte, die ….“. Das Wort wird behandelt als Plural eines Wortes, das LOHA heißen müsste. Ein Loha, zwei Lohas. Richtiger müsste man wohl von LOHAS-Verfechtern oder -Anhängern sprechen. Vielleicht ginge auch LOHASianer oder LOHASiten. Das müsste man vielleicht noch mal klären.

LOHAS wurde von Anfang an als ein soziales Phänomen beschrieben: es ging um die Beobachtung einer sozialen Schicht eher gut ausgebilderter und begüterter Menschen, die zum nachhaltigen Konsum neigen. Von daher konnte gar nicht erwartet werden, dass von ihnen die ökologische Erneuerung der Gesellschaft ausgehen würde: LOHAS kann nicht zum Mainstream werden. Immerhin aber können sie eine Richtung aufzeigen, in die es gehen kann. Nicht auszuschließen wäre auch, dass sie Impulse geben für neue oder anders produzierte Produkte, die auch für Menschen mit geringem Einkommen interessant und erschwinglich sind.

So können immerhin Trends gesetzt werden: in den Kaufhäusern werden Textilien aus Öko-Baumwolle angeboten, fairer Kaffee und Tee kommen in Hotels und Tagungshäusern in die Kanne, Grüner Strom wird eingekauft, seit Jahren steigt die Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischem Landbau, der aus deutscher Produktion nicht mehr befriedigt werden kann. Das immerhin schafft Stimmungen, die der Politik erlauben mutiger zu werden: die klassische Glühbirne wird verboten, die energetischen Standards für Renovierungen und Neubau von Gebäuden werden hochgesetzt, die durchschnittlichen Emissionen der Flotten der Automobilkonzerne werden beschränkt. Dafür sind vorauslaufende gesellschaftliche Änderungen von Werthaltungen notwendig, die der Politik den Mut und zuweilen den Druck geben, Strukturen für nachhaltiges Wirtschaften zu setzen.

Man kann sicher am Wert des einen oder andern zweifeln, was man unter der Überschrift LOHAS beobachtet. Immerhin fangen eine Reihe Menschen an, nicht mehr unkritisch jedes Produkt zu kaufen, das man Ihnen in das Supermarkt-Regal legt. Der SPIEGEL vermutet hier „mehr Selbstverwöhnung als Weltverbesserung“. Ja und? Zum einen muss sich beides nicht ausschließen. Zum anderen kann man nur dankbar sein für jeden, der auf einen anderen Geschmack kommt.

Montag, 12. Dezember 2011

Postwachstumsgesellschaft

Durban hat es wieder einmal gezeigt: in einer Stark-Verbraucher-Welt, die ihre Emissionen zu aller Nachteil in der Atmosphäre endlagert, und die zu den ehemals zu teuren Förderungen fossiler Stoffe mit Fracking, der Förderung von Ölsanden oder der Sprengung von Bergen für den Steinkohletagebau in den USA greifen muss, kann man nicht mehr ohne Weiteres so weitermachen wie bisher. Nicht nur die Ressourcen für neuen Konsum sind spürbar begrenzt, auch die Möglichkeiten der Beseitigung der Zivilisationsabfälle wie CO2, strahlendem Material, Giftstoffen und anderem sind endlich.

Natürlich kann man dies systemimmanent kritisieren und alle Menschen guten Willens dazu aufrufen, das Beste aus der Situation zu machen und nicht aufzugeben. Zugleich aber mehren sich seit Jahren die Stimmen derer, die einen grundsätzlichen Fehler sehen und davon abraten, auf Hilfskonstruktionen wie „green economy“ und „nachhaltiges Wachstum“ zu setzen. Auch wenn es gelingt, Wachstum zum Teil vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln, bleiben die absoluten Verbräuche enorm. Diese Rechnung kann in einem endlichen System nicht aufgehen – im besten Fall geht es dann darum, wer sich die größte Scheibe vom Rest-Kuchen abschneiden kann. Auch aus diesem Grund war Durban so wie Durban eben war.

Man wäre ja etwas glücklicher mit dem gegenwärtigen Zustand der Welt, wenn unser Wirtschaftsmodell jedenfalls Erfolg hätte. Davon kann aber nicht die Rede sein: nicht nur erste und schon gravierende Schäden durch den Klimawandel sind festzustellen, sondern auch 800 Millionen Menschen leiden derzeit unter Wassermangel, 3,2 Milliarden haben keine ausreichende Abwasserentsorgung. Eine Milliarde Menschen leiden an Hunger, 8,8 Millionen sterben jährlich daran. Zugleich aber gibt es auch eine Milliarde Übergewichtige auf dieser Welt. Allein in Deutschland werden jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Man kann nicht behaupten, dass dies eine Werbung für unseren Lebensstil oder Ausweis der Leistungsfähigkeit unseres Wirtschaftssystems ist.

Überlegungen für eine „Postwachstumsgesellschaft“ sind daher immer wichtiger. Sie spielen in der gegenwärtigen Politik offenbar keine Rolle, sondern werden zuweilen immer noch belächelt, gelten als rückschrittlich, eremitisch oder lustfeindlich. Aber das Gegenteil ist der Fall: wer in die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ schaut, hat eher das Gefühl: das könnte sogar Spaß machen. Alte Tugenden kommen hervor: man kann etwas reparieren, man kauft etwas, was lange hält, man teilt mit anderen Geräte, Maschinen und Fähigkeiten und profitiert von diesem Mehrwert. Wir würden dafür die ewige Tretmühle des Konsums verlassen müssen. Aber da gibt es Schlimmeres, wie wir alle wissen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Demokratie

"Politiker sind nicht eine Gefahr für die Demokratie, sondern ihre Grundlage."
(Roland Koch; 2009)

"Glauben Sie, meine Herren, es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Öls gesalbt ist!"
(Ludwig Uhland; in der Frankfurter Paulskirche 1849)

„Demokratie ist nicht immer eine Sache von einsamen Entscheidungen, sondern in der Regel ein Geschäft der Meinungsbildung vieler."
(Angela Merkel; 2007)

„Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen. Du redest ja doch nur Scheiße. Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt.“

(Ronald Pofalla zu Wolfgang Bosbach (beide CDU), bezüglich der abweichenden Haltung Bosbachs bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm)"

"Lerne den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in welcher Du Dich befindest."
( Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge, Über den Umgang mit Menschen, 1788)

"Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit."
(Willy Brandt; 1989)

 „Wir haben eine gute Verfassung, sind wir aber auch in guter Verfassung?“

(Richard von Weizsäcker; 1989)