Freitag, 21. Mai 2010

Nachsorge und Vorsorge

Im Golf von Mexiko sprudelt das Öl. Die artenreichen Marschen vor der Südküste der USA sind bereits getroffen und ein Ende ist nicht abzusehen. Der stählerne Überzieher hat es nicht gebracht. Nun wird also abgesaugt und Chemikalien werden zuhauf ins Meer geschüttet. Der massive Einsatz von Corexit, ein Stoff, der z.B. in England zur Ölbekämpfung verboten ist, wurde zwar vorher noch nie getestet, aber immerhin gibt es einen guten Nebeneffekt des Einsatzes: der Aktienkurs der Herstellerfirma Nalco ist seither um 10% gestiegen.

Als im März Barak Obama, seines Zeichens Friedensnobelpreisträger, ein gefürchtetes Projekt der Regierung Bush umsetzte, nämlich weitere Erdölfelder im Atlantik und im Golf von Mexiko für die Ausbeutung freizugeben, da waren es die ewig nörgelnden Umweltgruppen, die davor warnten und vermeintliche Schreckensgespenster an die Wand malten.

Ein typisches Beispiel, dass die scheinbar chronisch, wenn nicht pathologisch Bedenken tragenden UmweltschützerInnen doch nicht so ganz irren. Wieder einmal ist die eigentümliche "Verkettung unglücklicher Umstände" eingetreten, so dass die 600 Millionen Dollar teure Plattform sank und die Sicherheitsventile nicht schlossen. Man sollte mal überlegen, ob „unglückliche Umstände“ wirklich immer auch selten sind.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten: Nobert Röttgen, der Bundesumwelt-Minister ist ein Mann, der einem zur Zeit wirklich Spaß macht. Nicht nur sein Einsatz für eine kurze oder gar keine Laufzeitverlängerung lässt einen Umschwung in Teilen der Regierungskoalition erhoffen. Er hat er jetzt leider ein paar Freunde weniger in süddeutschen Bundesländern, aber immerhin gab er Stefan Mappus, bislang the best unkown man unter den deutschen Ministerpräsidenten, die Chance, mal so richtig groß rauszukommen, indem er den Minister indirekt zum Rücktritt aufforderte. Hier empfindet man aber einen gefühlten Verlust der Mappus-Aktie um 10%.

Auf dem Kirchentag in München bestach der rheinische Katholik - wie er sich selbst gern darstellt - durch eine tiefsinnige und den Nachhaltigkeitsgedanken breit ausführende Bibelarbeit über Römer 8 zusammen mit seiner Duzfreundin Katrin Göring-Eckhardt, Präses der EKD-Synode und Bundestagsmitglied für die GRÜNEN. Man bekam das Gefühl, dass sich, wenn sich Mappus durchsetzen sollte, ganz neue Perspektiven ergeben könnten: nicht nur für die Ökumene, sondern auch sonst.

(Foto: Thomas Schaack)