
Hinter den Kulissen Berlins werden jetzt Namen abgewogen, für zu leicht, zu schwer oder gerade so im Maß befunden. Deutschland sucht mal nicht den Superstar, aber einen erfahrenen Menschen, der am 30. Juni für eine Wahl zum Bundespräsidenten zur Verfügung steht und das Zeug dafür hat, von möglichst vielen gewählt zu werden.
Unter den Namen, die derzeit genannt werden ist einer, der hier ein paar Zeilen verdient: Klaus Töpfer. Zahlreiche Auszeichnungen hat er erhalten und er ist auf ganzer Linie ein erfahrener Mann: das politische Geschäft hat er auf allen Ebenen kennengelernt, bis hin ins Bundesumwelt- und ins damalige Städtebauministerium hat ihn der Weg geführt. Zuletzt war er Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi – bei welcher Gelegenheit er, wie er mit einem Schmunzeln in Vorträgen erzählt, gut Englisch gelernt hat.
Töpfer ist ein sehr guter Redner, charmant und humorvoll, aber mit großer Entschiedenheit und Bildung weiß er die Dinge vorzutragen, die ihm am Herzen liegen: die Probleme dieser Welt, nachhaltig zu leben, und entwicklungspolitische Fragestellungen. Damit würden auch wichtige Anliegen Köhlers wieder aufgenommen werden. Er steht für den Typus des Deutschen, der die Welt kennt und sie als Ganze mit der Verantwortung, die einer der reichsten Staaten dieser Welt tragen muss, wahrzunehmen weiß.
Als Umweltminister hat er einiges zu Wege gebracht, was wir heute für einen Standard halten: die „Verpackungsverordnung“ (Duales System), die „TA Siedlungsabfall“ (die zur weitgehenden Schließung aller deutschen Mülldeponien bis 2005 führte), die „Alpenkonvention“, das Verbot von FCKW und vieles mehr. Als UNEP-Chef hat er zahlreiche Themen auf der Schnittstelle von Umwelt und Entwicklung intensiv verfolgt und damit weltweit Beachtung gefunden, auch aufgrund seines ökonomischen Sachverstands, den er als Professor für Volkswirtschaft hat.
Mit 71 Jahren, gegenwärtig Gründungsdirektor des „Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit“ in Potsdam, könnte er noch antreten. Allein, seine Kandidatur könnte in der CDU nach dem Ausscheiden von Roland Koch und Kritik an Angela Merkel als ein weiterer „Linksruck“ in der Partei gedeutet werden, den man gegenwärtig vielleicht nicht möchte. Das Label „links“ aber passt für Töpfer nicht: das CDU-Mitglied Töpfer steht mit seinem bisherigen Lebenswerk über solchen Kategorien. Wie es sich für einen Bundespräsidenten gehört.
(Foto: Work by Rama)
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