Montag, 19. Juli 2010

Schein und Sein

15 Cent kostet der Stein des Anstoßes. Mit dem Slogan „Frisches von morgens bis abends“ vermarktet Aldi-Süd gegenwärtig seine neue Brot-Offensive: man backe ab sofort vor Ort Brot und Brötchen für die Kunden, den ganzen Tag.

Hätten die Werbeleute von Aldi nur nicht vom Backen geredet! Denn nach Meinung des deutschen Bäckerhandwerks kann lediglich von einem „Erwärmen“ dessen, was vorher der Bäckereikonzern Liecken vorgebacken habe, die Rede sein. Zudem sei der Mehl-Anteil am Roggenmischbrot und im Dinkelvollkornbrot deutlich zu gering. Alles Nähere werden nun die Gerichte klären.

Apple, schon rein preislich nicht gerade der Aldi unter den Handy-Herstellern, hat ähnliche Probleme: ihre Handys, die neuerdings eine Linkshänder-Problematik aufweisen, werden unter abenteuerlichen Zuständen in China produziert. Kinderarbeit, geringe Löhne und Selbstmorde gehören zum Standard von High-Tec, so müssen wir erfahren. Immerhin hat Foxconn, der chinesische IPhone-Produzent, den Mindestlohn nun dramatisch auf satte 244,- Euro monatlich angehoben – Überstunden sind sogar zukünftig eine „freiwillige“ Entscheidung der Mitarbeiter, von denen es 400.000 gibt.

Unterdessen rechnet die UNEP, die Umweltabteilung der Vereinten Nationen, vor, dass die 3.000 größten Unternehmen weltweit einen Umweltschaden von 1,7 Billionen Euro anrichten - jährlich. In keinem Haushalt eines Unternehmens oder eines Staates werden solche Kosten ausgewiesen – bezahlt werden sie aber trotzdem. Achim Steiner, der UNEP-Chef, dazu: „Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und Steuerzahler“.

Solches Verhalten, das Scheine in die Taschen der Aktionäre spülen soll, ist eine Milchmädchenrechnung. Der Konsument, sonst gern für jeden Anschein, den ihm die Werbung anbietet, offen, liebt solche Nachrichten nicht  - das entsprechende Medienecho solcher Nachrichten zeigt dies deutlich an. Mögen also die entsprechenden Unternehmen endlich auf den Pfad einer sozial gerechten und ökologischen Produktion kommen – und mögen Schein(e) und Sein endlich zusammenkommen.

(Foto: Objekt gestaltet nach einem "multistabilen Wahrnehmungsphänomen" von M.C. Esher; Fotograf: Berteun Damman)