Dienstag, 7. September 2010

Die ewige Wiederkunft des Gleichen

Nicht mehr ganz junge Menschen in Deutschland kennen die Debatte schon länger und sind mit ihr aufgewachsen: die sogenannte friedliche Nutzung der Atomkraft ist ein Daueraufreger in der deutschen Geschichte, und das seit Jahrzehnten. Die Argumente ändern sich kaum. Aber mit dem gesetzlich festgelegten Atomausstieg aus dem Jahr 2002 war ein Regelung erreicht worden, mit der eigentlich nicht nur die Atomkraftwerke, sondern auch die Debatte an ihr Ende kommen sollte. Aber Totgeglaubte leben länger. So wird z.B. den Geesthachtern der Pannenreaktor Krümmel wohl noch bis 2033 erhalten bleiben.

Die Regierungskoalitionäre haben sich am Sonntag darauf verständigt, die Laufzeit der AKWs in Deutschland um 8 bis 14 Jahre zu verlängern. Erste Berechnungen weisen auf wesentlich längere Laufzeiten hin, die durch die Beschlüsse möglich werden könnten. Herauskommen werden für die Energieversorger zudem - nach Berechnungen des Öko-Instituts in Freiburg – 58 Milliarden Euro zusätzlicher Gewinn, von dem nur knapp die Hälfte an den Steuerzahler abgeführt werden muss. Die Aktien der Kraftwerksbetreiber stiegen am Montag; denn das Geschäft mit der Atomenergie, das eigentlich 2022 endgültig beendet werden sollte, erhält noch einen stattlichen und staatlich erlaubten Nachschlag.

Mindestens 4.400 t neues radioaktiv verseuchtes Material kommt auf den Müllhaufen, von dem seit Jahrzehnten keiner weiß, wo man ihn endlagern könnte. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird nach Meinung der Fachleute unter den Beschlüssen leiden, obwohl alle wissen, dass sie die Zukunft der Energieversorgung bilden müssen – und zwar lieber gestern als heute. Zwar hat die Regierung in seinem 39seitigen Papier manche Ideen und Projekte zum Thema erneuerbare Energien genannt, aber vieles ist noch nebulös, harrt der Konkretion – oder ist schlicht zu wenig, um für den Klimaschutz etwas zu tun.

Die Synode der EKD hat sich zu dem Thema im November schon 2008 deutlich positioniert:

„Kernenergie ist kein verantwortlicher Beitrag zum Klimaschutz und behindert den notwendigen Umbau der Energieversorgung. Vor allem sind ihre Risiken – insbesondere die nicht geklärte Endlagerung und das hohe Schadenspotential – nach wie vor ungelöst. Wir treten dafür ein, am Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie festzuhalten, dem Vertrieb dieser Technologie in Europa und weltweit eine Absage zu erteilen und den Ausstieg aus klimaschädlichen Energietechnologien weiter voranzutreiben“. 
Am 24. April haben 120.000 Menschen in Hamburg gegen eine Laufzeitverlängerung demonstriert. Auch viele engagierte Christinnen und Christen waren dabei. Am 18. September werden sich viele in Berlin wieder treffen. Die ewige Wiederkunft des Gleichen, möchte man meinen. Aber nach wie vor notwendig.