Montag, 12. Dezember 2011

Postwachstumsgesellschaft

Durban hat es wieder einmal gezeigt: in einer Stark-Verbraucher-Welt, die ihre Emissionen zu aller Nachteil in der Atmosphäre endlagert, und die zu den ehemals zu teuren Förderungen fossiler Stoffe mit Fracking, der Förderung von Ölsanden oder der Sprengung von Bergen für den Steinkohletagebau in den USA greifen muss, kann man nicht mehr ohne Weiteres so weitermachen wie bisher. Nicht nur die Ressourcen für neuen Konsum sind spürbar begrenzt, auch die Möglichkeiten der Beseitigung der Zivilisationsabfälle wie CO2, strahlendem Material, Giftstoffen und anderem sind endlich.

Natürlich kann man dies systemimmanent kritisieren und alle Menschen guten Willens dazu aufrufen, das Beste aus der Situation zu machen und nicht aufzugeben. Zugleich aber mehren sich seit Jahren die Stimmen derer, die einen grundsätzlichen Fehler sehen und davon abraten, auf Hilfskonstruktionen wie „green economy“ und „nachhaltiges Wachstum“ zu setzen. Auch wenn es gelingt, Wachstum zum Teil vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln, bleiben die absoluten Verbräuche enorm. Diese Rechnung kann in einem endlichen System nicht aufgehen – im besten Fall geht es dann darum, wer sich die größte Scheibe vom Rest-Kuchen abschneiden kann. Auch aus diesem Grund war Durban so wie Durban eben war.

Man wäre ja etwas glücklicher mit dem gegenwärtigen Zustand der Welt, wenn unser Wirtschaftsmodell jedenfalls Erfolg hätte. Davon kann aber nicht die Rede sein: nicht nur erste und schon gravierende Schäden durch den Klimawandel sind festzustellen, sondern auch 800 Millionen Menschen leiden derzeit unter Wassermangel, 3,2 Milliarden haben keine ausreichende Abwasserentsorgung. Eine Milliarde Menschen leiden an Hunger, 8,8 Millionen sterben jährlich daran. Zugleich aber gibt es auch eine Milliarde Übergewichtige auf dieser Welt. Allein in Deutschland werden jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Man kann nicht behaupten, dass dies eine Werbung für unseren Lebensstil oder Ausweis der Leistungsfähigkeit unseres Wirtschaftssystems ist.

Überlegungen für eine „Postwachstumsgesellschaft“ sind daher immer wichtiger. Sie spielen in der gegenwärtigen Politik offenbar keine Rolle, sondern werden zuweilen immer noch belächelt, gelten als rückschrittlich, eremitisch oder lustfeindlich. Aber das Gegenteil ist der Fall: wer in die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ schaut, hat eher das Gefühl: das könnte sogar Spaß machen. Alte Tugenden kommen hervor: man kann etwas reparieren, man kauft etwas, was lange hält, man teilt mit anderen Geräte, Maschinen und Fähigkeiten und profitiert von diesem Mehrwert. Wir würden dafür die ewige Tretmühle des Konsums verlassen müssen. Aber da gibt es Schlimmeres, wie wir alle wissen.